Nur 24 Stunden nach der nationalen Rekordjagd beim Werfertag in Dissen dominierten die Athleten die Nordhessischen Meisterschaften im Blockmehrkampf in Obersuhl mit einer Effizienz, die ein klares Signal an die Konkurrenz sendet. Im Reigen der nordhessischen Elitevereine blieb die Quote des TSV – drei Nordhessische Titel bei nur sechs Einzelstarts – auch bei dieser Meisterschaft unerreicht. Es ist das Ergebnis einer zweijährigen Transformation, die den Verein im Bereich Leichtathletik grundlegend verändert hat.
Die Philosophie: Leidenschaft als Fundament
Was in Obersuhl so spielerisch aussah, ist das Resultat einer Neuausrichtung, die Coach Harald Lange vor zwei Jahren fest etabliert hat. „Leichtathletik muss in erster Linie Spaß machen“, erklärt Lange das Fundament der rot-schwarzen Erfolge. „Unsere Transformation bedeutet: Der Sport wird grundsätzlich von der Gruppe getragen. Das Training soll Leidenschaft wecken, Lust auf Leistung machen und das Interesse an der sportlichen Vertiefung wecken.“
Weg vom reinen Leistungsdrill, hin zu einer Kultur, in der die Lust am gemeinsamen Erfolg der Motor ist. Dass dieser Fokus auf das Miteinander Früchte trägt, beweist die aktuelle Ausbeute im Mehrkampf eindrucksvoll. Der Verein bildet keine isolierten Spezialisten mehr aus, sondern komplette Athleten, die die Vielfalt der Leichtathletik als Team erleben und gestalten.
Lilli und Leonie: Talententwicklung einmal anders
Besonders deutlich wird der Erfolg dieser Strategie beim Blick auf Lilli Lange und Leonie Ostermüller (W14). Ihr gemeinsamer Weg zeigt, dass leichtathletische Talententwicklung auch „anders herum“ hervorragend funktionieren kann. Während viele Mehrkämpfer erst spät zum Wurf kommen, fanden diese beiden den Weg über den Hammerwurf und den Dreikampf im Rasenkraftsport zur Vielfalt des leichtathletischen Mehrkampfs.
Beide entwickelten sich von den einzigartigen Dynamik- und Gleichgewichtsanforderungen des Hammerwerfens hin zur Faszination der Disziplinenvielfalt. In Obersuhl krönten sie diesen Weg bei ihrem allerersten Block-Mehrkampf überhaupt mit einem fulminanten Doppelsieg. Lilli sicherte sich mit 1.832 Punkten souverän den Titel im Block Wurf. Direkt dahinter folgte Leonie, die mit 1.742 Punkten die Silbermedaille perfekt machte und dabei in vier von fünf Disziplinen (100 m, Hürden, Weitsprung und Kugelstoßen) neue persönliche Bestleistungen aufstellte. Dieser Erfolg ist der Beweis, dass eine solide Basis in den technischen Wurfdisziplinen ein hervorragendes Sprungbrett für den gesamten Mehrkampf sein kann.


Mohamad Abdullah: Wenn Kampfrichter staunen
In der M15 sorgte Mohamad Abdullah für die Anekdote des Tages. Vor Beginn des Ballwurfs im Block Lauf kam es zu einem Zwiegespräch, das die außergewöhnliche Qualität seiner Leistung dokumentiert: Mohamad bat das Kampfgericht höflich darum, den Wurfkorridor, der lediglich bis 45 Meter abgesteckt war, auf 60 Meter zu erweitern. Die Kampfrichter hielten dies zunächst für einen Scherz – bis Mohamad den ersten Ball warf.
Mit einer herausragenden Weite von 55,50 m deklassierte er das Feld und katapultierte sich auf Rang zwei der aktuellen Hessischen Bestenliste. Dass er danach mit einer stoischen Selbstverständlichkeit die gefürchteten 2.000 Meter auf sich nahm und mit 2.140 Punkten Gold holte, unterstreicht seine enorme athletische Entwicklung. Er verkörpert den „kompletten Athleten“, der keine Disziplin scheut.
Ammar Barakat: Leistungsexplosion in die Top 10
Ebenso beeindruckend verlief der Tag für Ammar Barakat (M15). Trotz der enormen Vorbelastung vom Vortag in Dissen bewies er in Obersuhl enorme Bisskraft. Im Kugelstoßen gelang ihm eine gigantische Steigerung auf 11,12 m. Mit diesem Stoß schoss er im hessischen Ranking von Platz 16 direkt vor auf Platz 8. Diese Energieleistung sicherte ihm im Block Wurf wertvolle Punkte für das Team-Ergebnis und zeigt, wie viel Potenzial durch die Lust auf Leistung freigesetzt wird.

Richard Gerber und die „Viererbande“
Der dritte Einzeltitel ging an Richard Gerber (M14), der als reiner Athlet den Block Sprint/Sprung mit 2.006 Punkten dominierte. Zusammen mit Mohamad und Ammar sicherte er dem TSV mit 6.221 Punkten zudem die Vize-Mannschaftsmeisterschaft in Nordhessen. Dass dieses Ergebnis ohne den fehlenden Matheo Brandt erzielt wurde, unterstreicht die enorme Tiefe des Kaders. Die überregional bekannte „Remsfelder Viererbande“ ist längst eine Marke, die für unbändigen Zusammenhalt steht. Auch die jüngste im Bunde, Carlotta Bickel (W12), trug mit ihrer Bestzeit über 75 m (11,71 s) und einem starken Platz 8 im Block Lauf zum harmonischen Gesamtbild bei.

Kurs auf Stadtallendorf
Von der „Pole Position“ in den deutschen Bestenlisten in Dissen bis zum unerreichten Goldregen in Obersuhl – der TSV 05 Remsfeld gibt derzeit das Tempo vor. Die Botschaft an die Konkurrenz ist klar: Hier wächst eine Gruppe zusammen, die den Teamgeist im Herzen und die Vielseitigkeit in den Genen hat. Das große Ziel ist nun fest im Blick: Die Hessischen Meisterschaften Mitte Juni in Stadtallendorf. Wenn dort die „Viererbande“ der Jungs, aber auch die des Mädchenteams wieder komplett in Rot-Schwarz angreift, wird der Weg zum Podest nur über sie führen.